MEIN LEBEN

MARTINA PETZ

MEIN LEBEN

Ich bin 3 Jahre alt.

Eine Frau, die wir Kindergartentante nennen sollen, spielt auf einem bauchigen  Instrument und singt:

„Rot, rot, rot ist meine liebste Farbe…“

Der Rhythmus überzeugt mich und ich spüre ein deutliches JA.

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Ich bin 7 Jahre alt.

Es ist 15:30 und der Samstag Nachmittagsfilm beginnt. Ich sitze und bin bereit einzutauchen.

Hans Moser kommt diesmal nicht, dafür  singt und tanzt eine Frau, die Caterina Valente genannt wird.

Ich starre in das riesig-kastenartige mit grober Antenne ausgestattete Fernsehgerät  und spüre pure

BEGEISTERUNG.  Nach dem Film tanze ich im Garten ganz für mich weiter. Ich spüre RAUM.

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Ich bin 9 Jahre alt.

Da singt eine Frau im Fernsehn.  Meine um 11 Jahre ältere Schwester  erklärt mir, dass es sich hier um Doris Day handelt. Okay, das merke ich mir.  Ihre wasserstoffblonden Haare bewegen sich keinen Zentimeter.

Irgendwie starr das Ganze.  Aber dann singt sie ein Lied.  „Pillowtalk“  erklärt meine Schwester


um gleich darauf mit der deutschen Übersetzung fortzufahren –„ Bettgeflüster“. 

Ich merke mir das halt mal phonetisch, denn was weiss eine Neunjährige schon und schreibe in mein Tagebuch:

„Habe toles Lied gehört –pilotok!!“ Einen etwas verwurschtelten Violinschlüssel  zeichne ich auch dazu. Den habe ich im Klavierunterricht gelernt.  Die Klavierlehrerin ist streng und hat wenig Humor.

Ich spüre ein deutliches NEIN.  Vielleicht spielt sie mir das nächste Mal „Pilotok“ vor?

    

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Ich bin 12 Jahre alt.

Ich höre auf irgendeinem Radiosender eine Sängerin namens Ella Fitzgerald.

Ich weiss nicht,  wie das kommt, weil eigentlich wollte ich Udo Huber mit der Ö3 Hitparade aufnehmen…   Ich verstehe nur wenig von dem was Ella singt.  Aber egal. Die Frau singt seltsame Silben.  Das mag ich. Der Rhythmus fährt mir ins Gebein und in die Glieder und ich spüre: DIESE MUSIK ERFREUT MEIN HERZ UND PUNKT.

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Ich bin 16 Jahre alt.

Ich kaufe mir eine Edith Piaf Kassette.  WAUUUU!!  Ich recherchiere in einer Mischung aus leichter Pubertätsdepression und pseydo- intellektuellem Appetit über ihr Leben.  Ich spüre:

DAS BERÜHRT MICH UNGEMEIN.

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Ich bin 18 Jahre alt.

Ich höre die 1. Symphonie  „Der Titan“ von Gustav Mahler  rauf und runter.

Ich weiß genau an welchen Stellen die Langspielplatte einen leichter Depscher hat.

Das kann AUCH Sicherheit geben.

Ich spüre TIEFGANG und HÖHENFLUG.

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Und so weiter halt…ach ja und hier noch ein paar andere Fakten. 

Wen interessierts?!


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Geboren 1969 in Wien

Ausbildung Klassischer Gesang bei Mag. Petra Chiba
Ausbildung Jazz-und Populargesang bei Mag. Ines Reiger


2005 – 2010:  

Dozentin für Jazz-und Populargesang am Institut für
Musikpädagogik der Kunstuniversität Graz


Seit 2003: 

Referentin für Stimmbildung, sowie Jazz-und Populargesang
an den Pädagogischen Hochschulen  Wien und Niederösterreich


2006: 

Albumproduktion “On a clear day”/ Martina Petz


2014: 

Albumproduktion „Federleicht“ / Martina Petz


Musikworkshops,

Vocal Coaching in Einzel-und Gruppenanwendung auf Anfrage!


Musikalisch, künstlerische Zusammenarbeit mit:

Albert Reifert Trio, Oliver Kent Trio, Aaron Wonesch, Uwe Urbanowski, Walter Grassmann, Christian Havel, Franz Scharf, Heribert Kohlich, Richard Österreicher, Karl Sayer, Thiemo Kirberg, Karol Hodas, Alex Ehrenreich, Sascha Lackner, Bernd Rommel, Alex Dostal, Uli Datler, Martin Treml, Edi Köhldorfer, Wolfgang Köck u.v.a…

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